How to go to Project Hell - Wege in die Projektkrise
Im Projekt werden erstmals neue - oft noch nicht ausgereifte - Technologien eingesetzt
In Projekten mit technischer Komplexität werden häufig neue Technologien eingesetzt. Dagegen ist im Allgemeinen nichts einzuwenden. Oft ist der Einsatz neuer Technologien sogar der primäre Auslöser für ein Projekt. Neue Technologien haben aber auch ihre Tücken. Da sie noch unerprobt sind, gibt es dafür nicht die gleichen Erfahrungswerte wie bei altbewährten Technologien. Dadurch birgt ihr Einsatz naturgemäß ein höheres Risiko.
Oft mangelt es auch an entsprechendem Know-how (intern und extern), da das Fachwissen dafür erst aufgebaut werden muss. Und wenn Sie die benötigten Experten finden, dann müssen Sie wahrscheinlich etwas tiefer als geplant in die (Brief)tasche greifen. Die Experten wissen, dass sie gesucht sind!
Im Zuge der Projektarbeit stößt man in der Detailarbeit immer wieder auf neue technische Herausforderungen, die nicht vorhersehbar waren. Hier wird dann eine „neue Technologie“ oft als Rettungsanker gesehen, die alle Probleme auf einmal zu lösen scheint. Zumindest werden Ihnen das die Verkäufer des Herstellers versprechen. Häufen sich die Entscheidungen, solche „Rettungsanker“ einzusetzen, finden Sie sich im Projekt rasch in der Situation wieder, dass der überwiegende Teil der eingesetzten Technologien neu ist und in manchen Fällen sogar noch Pilotcharakter aufweist. Das Risiko des Scheiterns des Projektes wird dadurch sukzessive erhöht, meist ohne es bewusst wahrzunehmen, geschweige denn eine strukturierte Risikoanalyse vorzunehmen.
SO WENDEN SIE DIES AB
Risikoanalyse Seien Sie offen für den Einsatz neuer Technologien, aber evaluieren Sie auch immer, welche Risiken Sie dadurch auf sich nehmen. Bestehen Sie auf eine fundierte Bewertung der Vor- und Nachteile und der möglichen Risiken durch Technik-Experten. Holen Sie Informationen ein, wo diese Technologie schon im Einsatz ist und wie sie sich bewährt hat. Holen Sie Ratschläge von Personen ein, die selbst konkrete Erfahrungen mit dieser Technologie gemacht haben.
Lassen Sie sich nicht blenden Neue Technologien werden meist mit dem Argument „schneller, größer, besser, zukunftssicherer“ angepriesen. Bleiben Sie kritisch. Durch die Neuartigkeit haben Sie in der Regel auch erhöhte Aufwände bei der Einführung. Know-how muss aufgebaut und Lernzyklen müssen eingeplant werden. Noch nicht bekannte Probleme können unerwartet auftauchen und müssen dann erst einmal analysiert und in weiterer Folge auch gelöst werden. Oft stehen auch die Produkthersteller selbst vor noch nicht bekannten Problemen, die erst im Lauf der Zeit sichtbar werden.
Das können Sie sich durch Einsatz „altbewährter“ Technologien oft ersparen - diese sind aber natürlich nicht so „sexy“. Und auch die so oft gepriesene Zukunftssicherheit muss sich erst einmal beweisen - und zwar in der Zukunft, die leider nicht so einfach vorhersehbar ist. Wenn Sie schlussendlich überzeugt sind, dass die neue Technologie das Richtige ist, dann setzen Sie diese ein. Rechnen Sie aber mit unerwarteten Hürden und planen Sie Zeit und Ressourcen dafür ein.
Die Mischung machts Achten Sie außerdem darauf, dass Sie in Ihrem Projekt nicht nur „Neues“ einsetzen. Dadurch erhöhen Sie unnötig Ihr Risiko zu scheitern. Bewährt hat sich ein Mix aus altbewährter und neuer innovativer Technik. Ein Verhältnis von 2:1 zwischen alt und neu gilt als guter Richtwert. Alles was Sie darüber hinaus an neuer Technologie anwenden wollen, sollten Sie auf jeden Fall fundiert überlegt haben und sich der Risiken, die Sie eingehen, bewusst sein.
Halten Sie sich vor Augen, dass auch in der Raum- und Luftfahrt, einer Branche die als State-Of-The-Art gilt, teilweise sehr alte - aber gut bekannte - Technologien zum Einsatz kommen. Das Space Shuttle war über 30 Jahre im Einsatz und wurde in den Weltraum geschickt. Die Boing 747 transportiert ihre Fluggäste seit fast 40 Jahren zuverlässig und problemlos um die Welt.
Die Auslieferung des „neuen“ Airbus A380 als Passagierflugzeug konnte erst mit massiven Terminverzögerungen erfolgen. Mittlerweile gibt es massive Kritik seitens der Kunden, da die häufigen Defekte zu Ausfällen und erheblichen unplanmäßigen Standzeiten der Flugzeuge führten. Auch in den Medien ist dazu einiges nachzulesen.
Es gibt viele Faktoren, um ein Projekt erfolgreich ins Ziel zu bringen. Basis ist immer eine saubere Planung, damit man auftauchende Stolpersteine im Projektverlauf überwinden kann. Doch frei nach Erich Kästner: Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt wurden, kannst du etwas Schönes bauen. Und so sollten gerade die schwierigen Bereiche in Projekten als willkommene Herausforderung und Chance gesehen werden, neue Erfahrungen zu sammeln und beim nächsten Mal nicht mehr in dieselben Fallen zu tappen. Denn Scheitern ist keine Schande, Liegenbleiben schon.
Autor: domendos consulting
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