Projektambulanz

 

Volume 5 - Projekt Help Desk

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Lieber Leserinnen und Leser, heute möchte ich diese Plattform hier nutzen, um einen Aufruf an Sie alle – sofern Sie mit Projekten zu tun haben – zu erteilen.
Lassen Sie mich aber zuvor etwas ausschweifen.

Neulich versuchte ich einen meiner Projektpatienten telefonisch zu erreichen und kam in die Warteschleife des Unternehmens, bei dem er beschäftigt war.
Ein Tonband meldete sich mit: „Projekt Helpdesk – guten Tag!“

Mein erster Gedanke war: Toll, die haben einen eigenen Projekt Help Desk eingerichtet! Sehr vorbildlich! Zu meinem Entsetzen bekam ich aber dann folgendes zu hören:

„Haben Sie Fragen zum Projektstrukturplan oder –kommunikationsplan drücken Sie 1.
Haben Sie Fragen zur Erstellung Ihres Statusberichtes drücken Sie 2.
Haben Sie Fragen zur Ablage von Projektdokumenten drücken Sie 3.
Haben Sie Fragen bzgl. Ihres Zugriffes auf Projektdokumente drücken Sie 31.
Haben Sie Fragen bzgl. Ihrer Rolle im Projekt drücken Sie 4.
Für allgemeine Fragen haben wir leider keine Zeit.“

Liebe Leserschaft, ich traute meinen Ohren nicht und musste mich einmal hinsetzen. Mich wunderte überhaupt nicht mehr, dass täglich so viele Projekte in meine Praxis strömen. Dieses Projekt läuft – wie ich von meinem Patienten weiß – bereits seit acht Monaten. ACHT MONATE! Und es gibt anscheinend immer noch Projektmitarbeiter (-innen, um hier die Damenwelt nicht außer Acht zu lassen), die anscheinend Fragen zum Projektstrukturplan oder ihrer Rolle im Projekt haben. NACH ACHT MONATEN!! Es gibt Mitarbeiter (-innen, für die Damen), die den Kommunikationsplan noch nicht verinnerlicht haben – ich wiederhole: NACH ACHT MONATEN!!!

Meine nächste Frage lautete: Woran hapert es hier? Wollen die Leute nicht? Oder können sie nicht? Oder liegt es am Projekt selbst bzw. an seiner Leitung? Ich fand keine wirkliche Antwort darauf. Klar war nur, dass hier eindeutig ein massiver Mangel an Grundverständnis für Projektmanagement und Identifikation mit der Projektarbeit herrschte.

Dieses Thema beschäftigte mich seither dermaßen, dass ich es jetzt in die weite Welt hinausschicken muss, verbunden mit dem Aufruf an alle Projektmitarbeiter(-innen, w.o.) auf dem Planeten:
Wer nach über einem halben Jahr Projektarbeit noch Fragen dieser Art stellen muss, ist für das Projekt NICHT GEEIGNET!!!
Außer, er (oder sie) ist gerade neu ins Unternehmen gekommen, dann sei ihm (oder ihr) noch einmal verziehen.

Bitte entschuldigen Sie meine direkte und unverblümte Ausdrucksweise, aber das lag mir am Herzen. Puh, danke fürs Lesen, jetzt fühle ich mich besser.
Bitte tragen Sie diese Weisheit in die Tiefen Ihres Unternehmens und tun Sie den Projekten dieser Welt etwas Gutes, indem Sie nur Personen an ihm arbeiten lassen, die dies wirklich wollen und sich dafür einsetzen. Alle anderen schaden ihm nur. Und sich selbst. Und dem gesamten Unternehmen.

Ach ja, und das Beste kommt zum Schluss. „Für allgemeine Fragen leider keine Zeit“ – über so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Mitarbeiter(-innen) enthalte ich mich höflich jeglichen Kommentars.

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Projektambulanz, Ordination Dr. Glügg

Dr. Phil Glügg; Studium bei der Projektmedizinischen Agentur;
Erfahrung mit Projekten aller Art rund um den Globus; seit 7 Jahren als Notfallmediziner in der Projektambulanz in Wien tätig