Projektambulanz

 

Volume 1 - Der Sinn des Projektlebens

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Ich bin nun bereits seit sieben Jahren Oberarzt in der Projektambulanz und mein Job macht mir nach wie vor Spaß, auch wenn er oft mit Anstrengung verbunden ist. Ich wollte schon immer den Projekten dieser Welt das Leben retten und mache das nunmehr bereits 20 wunderbare Jahre. Langeweile kenne ich nicht, täglich warten neue Herausforderungen auf mich.


Erst gestern saß wieder ein verzweifeltes Projekt mit hängendem Kopf in unserem Wartezimmer. Mittlerweile müsste ich es ja gewohnt sein, aber als ich das Häufchen Elend sah, übertrug sich ein Teil seines Schmerzes doch wieder auf mich. Gott sei Dank war es bei mir in den richtigen Händen. Ich sprach es freundlich an:
„Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“


Langsam hob das Projekt den Kopf. Mehr Ränder als Augen starrten mich an und mit schwerer Zunge lallte es: „Na das hoffe ich doch!“
Bevor ich antworten konnte, dass die Alkohol-Entzugsklinik zwei Stockwerke höher war, sprach es mit schwerer Stimme weiter.
„Ich bin vollkommen am Ende. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Sie sind meine letzte Hoffnung.“
Diese Worte hörte ich bei Gott nicht zum ersten Mal. Ich bat es in mein Behandlungszimmer. Nachdem es sich auf der Liege neben meinem Schreibtisch niedergelassen hatte, begann ich mit der Patientenbefragung.

 

Schon bald stellte sich heraus, dass sich das Projekt vollkommen im Kreis drehte. Es sollte ein neues Management-Informationssystem einführen und lief jetzt bereits seit 3 Monaten eine wie es schien endlose Strecke und keiner weiß den richtigen Weg. Der Strang, an dem das Projekt von allen gemeinsam gezogen werden sollte, ist nicht vorhanden. Das Projekt war völlig erschöpft, da niemand mehr bereit war, Energie in seinen Antrieb zu investieren.

 

Die Fülle an Problemen war wieder einmal enorm und ich war am Überlegen, an welchem Punkt ich mit der Behandlung ansetzen sollte. Doch dann ließ mich eine weitere resignierte Äußerung des bedauernswerten Projektes aufhorchen:
„Ich weiß ja nicht mal, warum ich überhaupt existiere!“
„Ja, aber haben Sie denn keinen schriftlichen Auftrag?“ fragte ich verwundert.
„Auftrag?“ entgegnete mir das Projekt fragend.
„Was bitte ist ein Auftrag?“
Da wurde mir einiges klar und ich hatte prompt die beste Therapie zur Soforthilfe parat.


„Der Projektauftrag ist Ihre Existenzberechtigung, Ihre Seele, der Sinn Ihres Daseins! Kein Wesen kann ohne Lebenssinn bestehen! Sie müssen Ihren Projektleiter unbedingt dazu bringen, sich Ihren offiziellen schriftlichen Auftrag zu besorgen!“
„Aber woher bekomme ich denn meinen Auftrag?“
„Kennen Sie wenigstens Ihren Schöpfer? Ihren Auftraggeber?“
„Ja, den kenne ich glaub ich. Das müsste der Geschäftsführer sein, der ist immer für die Schöpfung von Projekten zuständig, der macht glaub ich sonst nichts anderes.“


Die Mine des Projektes hellte sich bei dem Gedanken an einen Ausweg auf.
„Das heißt, ich brauche nur einen offiziellen Auftrag vom Geschäftsführer und dann kann ich wieder mit voller Kraft weiterlaufen?“ fragte es hoffnungsvoll.
„Nun ja“, bremste ich seinen aufkeimenden Enthusiasmus.
„Der schriftliche Auftrag ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Tun Sie einmal, was ich Ihnen gesagt habe und wenn es nicht besser wird, kommen Sie wieder vorbei.“
„Vielen Dank, Herr Doktor – wie war noch mal Ihr Name?“
„Glügg – mit Doppel-G.“
„Also haben Sie vielen Dank, Herr Doktor Glügg, ich werde Ihren Ratschlag befolgen.“
„Das würde ich sehr begrüßen! Viel Glück!“ antwortete ich freundlich und begleitete das Projekt noch zur Tür hinaus. Bildete ich mir das nur ein, oder konnte es schon wieder einen Deut aufrechter gehen?
Als ich die Tür meines Behandlungszimmers hinter ihm geschlossen hatte, breitete sich das mittlerweile gut bekannte Gefühl in mir aus, jemandem geholfen zu haben.

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Projektambulanz, Ordination Dr. Glügg

Dr. Phil Glügg; Studium bei der Projektmedizinischen Agentur;
Erfahrung mit Projekten aller Art rund um den Globus; seit 7 Jahren als Notfallmediziner in der Projektambulanz in Wien tätig