Interviews

 

„Wenn man soziale Kompetenz auf ein Wort reduzieren muss, dann ist das Empathie!“

DI Peter M. Hofer

DI Peter M. Hofer, Geschäftsführer der Firma „mediamid digital services GmbH“ über soziale Kompetenzen für Projektleiter, die Liebe zum Projekt als Erfolgskomponente und warum Projektleiter wie Mütter sein sollten.

 

domendos: Die soziale Kompetenz für Projektleiter und damit auch für Führungskräfte ist in aller Munde. Welche Eigenschaften fallen Ihnen dazu ein?

Peter M. Hofer: Empathie ist wesentlich, also sich auch in die Lage des Kunden zu versetzen, aber auch in die Lage seiner Teammitglieder. Einfühlungsvermögen zu haben, Einschätzungsvermögen, und das Ganze ist dann natürlich auch abhängig von der Umgebung, also es muss ins System passen, es muss zum Kunden passen, je nachdem in welchem Bereich der Projektleiter tätig ist. Ins Fachliche übergehend, ist natürlich immer die Zielorientierung wesentlich. Das ist das Wichtigste im Projektmanagement, das Ziel zu verstehen, das Ziel dann auch zu kommunizieren und zu schauen, ob es nicht auch noch eine „hidden agenda“ gibt.

domendos: Welche sozialen Kompetenzen sind Ihrer Erfahrung nach für Projektleiter am wichtigsten?

Hofer: Genau die beiden vorher genannten: Empathie und Zielorientierung. Denn wenn ich das Ziel vor Augen habe und den Auftrag des Kunden verstehe, dann kann ich mich daran auch orientieren und entsprechend die Ziele verfolgen. Das wichtigste ist, dass man versteht, worum es geht, welches Ziel soll erreicht werden. Das heißt dann auch, sich den Sinn immer wieder vor Augen zu halten, was wollen wir eigentlich? Ich würde, um in Bildern zu sprechen, den Projektleiter als Mutter bezeichnen, die ihre Kinder im Blick hat und entsprechend managed.

domendos: Wie kommen Sie zu einer realistischen Einschätzung der sozialen Kompetenz von Projektleiter-Bewerbern? Kann man die soziale Kompetenz im Vorstellungsgespräch quantifizieren und bewerten. Wenn ja, wie?

Hofer: Quantifizieren ist schwierig. Es gibt nur eine subjektive Einschätzung. Das geht bei mir konkret auch mit meinen persönlichen Werten Hand in Hand, die ich ja dann als solches auch für die Firmenphilosophie vorgebe. Und das merkt man dann auch in der Interaktion beim Bewerbungsgespräch, wie gut hört jemand zu, wie kurz oder eben auch detailliert kommen die Antworten und dann frage ich auch nach Situationen – wie sind sie mit der und der Situation schon einmal umgegangen? Was haben Sie da für Erfahrungen gemacht? Was war die schwierigste Situation, was war die größte Herausforderung? Was würden Sie bei so und so einem Fall machen, wenn der Kunde das und das sagt oder eben ein Problem hat. Dann kommen die unterschiedlichsten Antworten. Das wirklich zu quantifizieren ist dann eher eine subjektive Einschätzung. Ich kenne keine Maßeinheit für soziale Kompetenz.

domendos: Auf welcher Basis entscheiden Sie dann?

Hofer: Auf Basis dessen, wofür diese Person gesucht wird. Aber die Frage ist, wofür sucht man denn jemanden? Soll der radikal ein schwieriges Projekt nach vorne bringen, auch mit brutalen Methoden weil es einfach nicht mehr anders geht? Die Frage nach den Fähigkeiten hängt von den Fragen der Ziele oder den vorgegebenen Zielen ab und vom Umfeld. Bin ich in einer Software-Firma Projektleiter oder bin ich Projektleiter auf dem Bau? Da hab ich andere Umgebungen und mit ganz anderen Leuten zu tun.

Bei uns ist das auch von dem her spannend, da wir sowohl Konzerne, öffentliche Einrichtungen als auch kleine Unternehmen als Kunden haben und da muss der Projektleiter unterschiedlich agieren. Er muss dann eben einfach auch die Mechanismen kennen, die beim Kunden ablaufen.

domendos: Ist das eine Herausforderung?

Hofer: Ja. Das sind die Klassiker im Projektmanagement. Zuerst die Ziele verstehen, dann die Stakeholderanalyse, dann natürlich die Soft Skills und dann das gesamte fachliche Wissen. Das geht oft Hand in Hand.

domendos: Wie erwirbt man aus Ihrer Sicht soziale Kompetenz?

Hofer: Ich sehe soziale Kompetenz vergleichbar mit einem Talent. Entsprechend hat man es oder hat es nicht, hat man mehr oder weniger und man kann es dann ausbauen und fördern.

domendos: Wie kann man das Ihrer Meinung nach ausbauen und fördern?

Hofer: Durch Coaching, Reviews, Reflexion und eben einfach die Erfahrungen, die man machen muss. Es gibt gewisse Dinge, die lassen sich schwer vermitteln, die kann man zehnmal jemandem erklären, das muss man einfach einmal selbst erlebt haben, die Gefühlsebene in der Realität, die psychologische Realität. Das eine ist, von der Theorie zu lernen und das andere, in der Praxis wirklich dabei zu sein. Ein guter Projektleiter zeichnet sich durch Flexibilität und Improvisationstalent aus. Solange alles gut läuft macht es allen Spaß und ist es für alle schön, aber was ist, wenn Probleme auftreten? Was ist, wenn das Projekt aus den Fugen gerät, wenn der Zeitplan nicht eingehalten werden kann, wie verhält sich dann der Teamleiter? Und da ist Coaching sehr gut, sich einfach mit jemand anderem austauschen zu können, zu reflektieren und Lösungsstrategien zu entwickeln. Wichtig ist für mich auch immer die Person und dass die Person trotz neu erlernter Methoden und Vorgehensweisen authentisch bleibt.

domendos: Welche Maßnahmen zur Weiterentwicklung der sozialen Kompetenzen gibt es? Welche können Sie empfehlen?

Hofer: Coaching finde ich sehr, sehr wichtig, ansonsten …. Ich weiß nicht, ob es Kurse für soziale Kompetenz gibt. Aber wie schon gesagt, ich sehe es als Talent, dass dann entsprechend gefördert werden kann. Beobachten ist ein ganz wichtiger Punkt. Zuhören, beobachten, die Situation analysieren und dann entsprechend darauf reagieren. Noch besser ist es natürlich sich schon im Vorfeld, wenn die Stakeholder-Analyse gemacht wird, zu überlegen, wo können Probleme auftreten und wie gehe ich damit um. Wo steuere ich dagegen, damit sie gar nicht auftreten und für den Fall dass doch, wie reagiere ich dann?

domendos: Wie gehen Sie in Ihrer Firma mit diesem Thema um? Was sind dabei die Herausforderungen?

Hofer: Es gibt gewisse Schemata, die von der Größe des Kunden abhängig sind, aber eben auch genauso von der Unternehmenskultur beim Kunden. Das Umfeld, das beim Kunden herrscht, ist etwas ganz Wesentliches. Wir haben Kunden, da ist alles ganz streng hierarchisch. Hier muss man sich dann dem Umfeld entsprechend organisieren, bewegen und schauen, dass man rechtzeitig die Dinge antriggert, weil es einfach entsprechend lange dauert. Dann gibt es aber auch andere Kunden, die haben wenig Hierarchie und sind dafür vielleicht etwas chaotisch. Hier muss man dann schauen, dass man Struktur in dieses Projekt hinein bringt. Das sind so die zwei Extreme.

domendos: Und wie leicht oder schwer tun sich da die Projektleiter bei Ihnen? Oder gibt es da beim Staffing entsprechende Anpassungen abhängig vom Kundenumfeld?

Hofer: So viele verschiedene Leute haben wir nicht zur Auswahl, der Projektleiter muss sich eben genau auf das Umfeld beim Kunden einstellen. Eine Mitarbeiterin hat einmal etwas sehr spannendes erlebt: Am Vormittag waren wir bei einer Fachhochschule, wo ein Studententeam das Projekt über hatte. Dort ging es entsprechend locker und etwas durcheinander zu. Am Nachmittag waren wir dann bei einem Konzern, wo die Mitarbeiter aus den diversen Abteilungen kamen und da ging es eher streng, strukturiert und hierarchisch zu. Und man muss sich dann einfach umstellen.

domendos: Und sich auch dem Umfeld anpassen.

Hofer: Genau, das ist ein ganz wesentlicher Punkt für die soziale Kompetenz, dass man sich einfach dem Umfeld entsprechend anpassen kann.

domendos: Kann man ein guter Projektleiter mit wenig ausgeprägter sozialer Kompetenz sein?

Hofer: Schwierig. Fachlich wird so eine Person das Projekt sicher gut managen und es wird auch zum Erfolg kommen, aber irgendwie fehlt dann das Feuer, die Liebe zum Projekt. Hier passt der Vergleich mit der Mutter wieder ganz gut, weil die ihre Kinder liebt und sie fördern will, wird sie anders mit den Kindern umgehen, als wenn sie eher herzlos ist.

domendos: Was fordern die Kunden? Mehr fachliche Skills bei den Projektleitern oder legen sie bewusst darauf wert, dass der Projektleiter umgänglich ist? Oder bekommen die das gar nicht mit?

Hofer: Ein Beispiel: Die erste Anfrage war fachlich. Können Sie uns da helfen? Habt ihr in dem und dem Bereich das fachliche Know-how, habt ihr dazu Lösungen? Das ist sozusagen die Eintrittshürde. Wenn das erfüllt ist, im zweiten Schritt ging es dann darum: Wir würden euch gern einmal persönlich kennen lernen und wir würden dann auch gerne den Projektleiter kennen lernen, der uns später betreuen soll, um auch zu sehen, ob wir mit dem können. Hier wurde schon explizit darauf Wert gelegt. Bei einigen Kunden ist das ein bewusstes Thema und bei anderen nicht.

domendos: Ist das ein Einzelfall oder passiert das öfter?

Hofer: Also das war ein Einzelfall, weil das wirklich so deutlich ausgesprochen wurde. Aber de facto bin ich überzeugt, dass es immer so ist, nur dass es den Kunden selbst oft gar nicht bewusst ist. Es ist schon ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Projektes. Wenn ich mit jemandem nicht kann, dann kann der fachlich noch so gut sein, wenn da „negative vibrations“ sind, kommen Widerstände auf, die nicht sein müssten. Das Projekt wird dann einfach mühsamer. Was sehr wichtig ist, es muss ein Vertrauensverhältnis hergestellt werden. Genau eben hier passt auch wieder das Bild von der Mutter, man vertraut der Mutter. Sie meint es gut mit einem, auch wenn sie streng ist.

domendos: Das weiß man oft erst später zu schätzen.

Hofer: Richtig, das kann durchaus passieren. Für mich ist das immer ganz wichtig, Fragen zu stellen, den Kunden zu verstehen, wo will er hin, wie schaut es aus, verstehen wir ihn, wo hat es früher Probleme gegeben, also eine Anamnese durchzuführen, wo soll die Reise hingehen und wie soll sich das Ganze weiterentwickeln.

Das passt für mich auch alles in einen Topf, denn wir machen beratenden Verkauf und da kommen genau die Soft Skills auch zum Tragen. Das fängt beim Pre-Sales an. Wir haben keine expliziten Verkäufer und keine expliziten Projektmanager, sondern sie treten in Personalunion auf und das kommt bei den Kunden sehr gut an. Das halten, was wir versprechen, da gibt es nachher keinen Switch in ein anderes Team, welches dann Versprochenes anders interpretiert, sondern der Verkäufer bleibt im Projekt und ist weiter im Zugriff. Das ist oft sehr förderlich.

domendos: Noch ein Abschluss-Statement?

Hofer: Wenn man soziale Kompetenz auf ein Wort reduzieren muss, dann ist das die Empathie.



Nach oben

mediamid digital services GmbH
Die Kernkompetenz der mediamid digital services GmbH ist das professionelle Digital bzw. Media Asset Management (DAM/MAM). Das Unternehmen wurde im Juli 2003 von Peter M. Hofer und Partnern in Wien gegründet. Der Fokus der Geschäftstätigkeit liegt auf der Softwareentwicklung, dem Media Asset Management und der IT-Projektabwicklung. mediamid betreut mit 15 Mitarbeitern namhafte Kunden wie ABB, Daimler, Deutsche Bahn, Neuroth, Roche oder Wienerberger sowie Marketing-, PR- und Kommunikationsagenturen, aber auch NGOs wie die Kindernothilfe.